

Jetzt wo sich die Sonne wieder langsam vorwagt, wird es Zeit für einen Rückblick auf den irischen Schneefall Ende Februar. Eine, für deutsche Verhältnisse, eigentlich triviale Menge an kristallinem Niederschlag legte den Verkehr, mehr oder weniger inselweit, lahm.


Die noch am ersten Tage bestehende Hoffnung, dass es sich bei dem leicht schwärzlich angeschleimten Schneematsch um das Endresultat des Auftauchens der östlichen Bestie handeln würde, wurde enttäuscht. Der Schneefall intensivierte sich. Die Busfahrpläne verloren jegliche Gültigkeit. Brot und Milch waren in beinah ganz Dublin ausverkauft.


Die Aussicht eventuell zwei Tage nicht einkaufen zu könne, führte bei der mit Schnee wenig vertrauten Bevölkerung zu Hamsterkäufen. Menschen häuften Nahrung. Denn man braucht acht Packungen Brot wenn es zwei Tage schneit und der Bus nicht fährt.


Die mediale Aufbereitung dieses Wetterevents spielte bei der Verursachung dieser Panik keine unwesentliche Rolle. Alarmstufe Rot wurde ausgerufen. Die Rarität des klimatischen Phänomens wieder und wieder betont. Denn es war klar: Der Schneefall ist rar. Zumindest in Irland.


Während deutsche Teilzeitinselbewohner belustigt ihre mit Eiskristallen behafteten, germanischen Augenbrauen anhoben (Dramatisierung), vergaßen sie einen wichtigen Aspekt: Den Mangel an Maschinen zur Schneeräumung in einem Land, dem höchstens alle fünfzehn Jahre signifikanten Niederschlag in weißer Pulverform wiederfährt.


Lediglich die Hauptstraßen wurden geräumt, auf welchen die sommerbereiften PKW-Fahrer auch weiterhin munter dahinrasten. Ganz so als gäbe es keinen Schnee und sie müssten jetzt, bei der relativen Leere der Fahrbahn, endlich die Tempomöglichkeiten ihrer Karosse voll und ganz ausnutzen.


Die Seitenstraßen schneiten zu. Nur die Reifen langsam dahinfahrender Autos drückten eine angenehm begehbare Spur in die Mitte der Straße. Die Bürgersteige waren währenddessen dem guten Willen ihrer Anwohner ausgeliefert. Ähnlich, wie in manch kontinentalen Gefilden war auch hier der Gehweg mal mehr und mal weniger gründlich freigeschaufelt worden. So konnte man außerordentlich gut erkennen, wer sich in welchem Grade dem Erhalt der öffentlichen Infrastruktur verpflichtet fühlte.


Der Großteil der irischen Bevölkerung war von seinen wirtschaftlichen Verpflichtungen befreit und konnte sich, über ein verlängertes Wochenende hinweg, geruhsameren Tätigkeiten zuwenden. So zum Beispiel Brot essen und Milch trinken.


Es wird sich zeigen ob die Geburtenrate in ein paar Monaten einen kleinen Sprung zu verzeichnen hat.


Sicherlich wird all jenen vor Sturm Emma Gezeugten, dieses Wetterphänomen in ewiger Erinnerung bleiben. Schließlich passiert so etwas in Irland nicht alle Tage. Genauer gesagt: Der letzte Schneefall dieses Ausmaßes ereignete sich in Dublin im Jahre 1982. Was die Reaktion der Bevölkerung und die Unterausstattung mit Maschinen erklären sollte. Denn wer kauft schon massenhaft Schneepflüge und Salz, wenn besagte Gegenstände und Mineralien nur alle Jubeljahre zum Einsatz kommen?


Ich verbrachte also mehrere, erzwungenermaßen geruhsame Tage in meinem Haus zu. Außer ein paar Spaziergänge zu tätigen und Fotos zu schießen gab es nicht viel zu tun. Was mit den hier gezeigten Bildern bewiesen wäre.


Ganz geruhsam waren diese Tage natürlich nicht. Denn der infrastrukturelle Kollaps hatte auch die Schließung des Flughafens zur Folge. Und somit auch die Streichung meines Fluges nach Luxemburg.


Schließlich gelang es mir, nach vielen weiteren geruhsamen Minuten in der Warteschleife der KLM-Hotline, einen Ersatzflug zu ergattern. Welcher ebenfalls gestrichen wurde. Dieser Umstand läutete die wesentlich zeitintensivere, jedoch minder geruhsame Warteschleifenrunde Nummer Zwei ein.


Im Endeffekt bekam ich dann natürlich einen neuen Flug. Wenn auch erst zwei Tage später. Ein Gutes hatte die ganze Sache: Ich erlebte einen irischen Jahrhundertschneefall. Kann man mal machen.


Worte und Bilder / Text and Images
