

Die ersten Tage fühlt sich der Ort immer neu an. Obwohl man schon viele Jahre dort verbracht hat. Vielleicht auch erst ein paar Monate. Eine gewisse Vertrautheit existiert.


Wenn ich meinen Blick die Berliner Straßen entlangwandern lasse fällt mir wieder auf wie hoch die Häuser eigentlich sind. Massiv, wie ein Wall aus Burgen ziehen sie sich in meinem Sichtfeld dahin.


Man übersieht vieles an einem Ort der Alltag bedeutet. Nur wenn man von irgendwo anders zurückkehrt zeigt sich die Heimat für kurze Zeit als fremder Ort. Man bekommt eine Ahnung davon wie jemand, der nicht von dort kommt, diesen Ort vielleicht wahrnimmt. Denn man ist selbst für ein paar Tage fremd. Dann wird die Stadt wieder Alltag.


In Dublin fallen mir die geduckten, zweistöckigen Reihenhäuschen der Vororte auf. Sie erscheinen grundlos eng und klein gebaut. Auch die Menschen springen ins Auge. Iren. Osteuropäer. Afrikaner. Inder. Die Jugendlichen sind sofort als Einheimische zu erkennen. Sie kleiden sich ähnlich, haben die selben Frisuren. Undercut und unten eng anliegende graue Sporthosen bei den Jungs. Leggings, schlabbrige Nike Pullover und viel Schminke bei den Mädchen.

Das Wegfahren fällt immer ein bisschen schwer. Wehmütig betrachtet man noch einmal seine Umgebung. Der Blick intensiviert sich wenn man realisiert, dass die Normalität um einen rum bald zu dem wird was sie eigentlich ist: Nur ein weiter Ort in der Fremde. Genau so exotisch und banal wie jeder andere Platz auf der Welt.



Wenn ich nach Berlin zurück komme, kann ich manchmal verstehen warum so viele Leute, die ich im Ausland treffe, dort hin wollen. Die Straßen sind weit. Die Häuser schön. Der Falafel kostet 3,50 Euro. Gutes Nachtleben. Mondäne, relaxte Atmosphäre. Immer noch vergleichsweise günstige Mieten.

Dann bin ich wieder zurück in Dublin. Berlin wird zur Erinnerung. Eine Fantasie. Ein Bezugspunkt in der eigenen Biografie.
"Where are you from?"
"Germany"
"Oh, whereabout in Germany?"
"From Berlin."
"Wow, that's so cool! I love Berlin!"
Diese Konversation durchlaufe ich mit regelmäßiger Häufigkeit. Der Hype ist real. Manchmal erwische ich mich dabei wie ich mir geschmeichelt vorkomme. Als ob die angeblich Coolness der deutschen Hauptstadt in irgendeinem Zusammenhang mit mir als Individuum stehen würde.Eine merkwürdige Vorstellung.


Ein Ortswechsel ist natürlich immer mit Reisen verbunden. In meinem Fall mit einer Flugreise. Zwei sehr eigene Städte werden durch die unpersönlichen Beton- und Glaslabyrinthe namens Flughafen verbunden. Schönefeld und Dublin. Dazwischen der Aufenthalt in einer langen Röhre mit trockener, klimatisierter Luft. Man könnte auch in der unangenehmen Version einer U-Bahn sitzen. Es würde sich nicht wesentlich von einem Flug in einer Ryanair Maschine unterscheiden.


Vielleicht liegt der eigentliche Reiz am Reisen daran, wieder nach Hause zu kommen. Kurz ein Fremder in der eigenen Stadt zu sein. Das Reiseziel mit dem Altbekannten zu vergleichen, mit dem wohligen Gedanken im Hinterkopf: Bald bin ich wieder zu Hause.


Dann geht der Alltag wieder los. Die Ferien in der heimatlichen Fremde sind vorbei. Bis zum nächsten Ortswechsel.


Worte und Bilder / Text and Images
